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Herman & Tietjen

(B...Senta Berger, H...Eva Herman, T...Bettina Tietjen, M...Karl Moik)

(Kurzes Video mit Bildern von Senta Berger und einer kurzen Biographie als Einleitung)

H: „Scharf aufs Leben läuft nächste Woche in der ARD am 13. Dezember.

B: Ja.

H: Würden Sie so nett sein, kurz erzählen, um was es geht?

B: Wir sehen eine Frau, die eigentlich im Aufbruch ist, das heißt, sie hat vieles hinter sich gelassen; das ist auch schmerzlich manches Mal. Man hat sich getrennt, sie hat sich getrennt von ihrem Mann, nach einer sehr langen Ehe, und Jahre binden, auch wenn man das nicht will, und sie lebt jetzt alleine. Und in dieser Zeit des „Aufbruchs“ - ich sag's mal unter Anführungszeichen noch mal so- wird sie entdeckt von einem großen Konzern, von einem großen Werbekonzern. Dieser Werbekonzern beruft sich auf eine Statistik, die es tatsächlich gibt, und die besagt, dass in wenigen Jahren - ich hab jetzt vergessen, in wie vielen Jahren, ich glaube in 2008- werden 50% aller Menschen in den westlich hochtechnologisierten Ländern über 50 sein. Und jetzt machen die sich natürlich von den großen Konzernen und den Werbeagenturen , zerbrechen die sich den Kopf: „Ja, wie kriegen wir jetzt unsere Sachen an den Mann, an die Frau?“ Jetzt geht's nicht mehr um Kids, es geht nicht mehr um Jeans, es geht nicht mehr um T-Shirts, es geht jetzt um etwas, was trägt die Frau von 50? Und so kommt die Solveigh - so heiße ich in diesem Film- plötzlich in eine Situation, aufgebaut zu werden als Model, als Identifikationsfigur. Und wir sehen, dass das zwar schön ist , und neu, und merkwürdig für sie, dass sie aber dann eigentlich das Gefühl hat: „Das hat mit mir nichts zu tun, oder wenig, oder zu wenig. Für die verbleibenden 15 Jahre, die ich noch wirklich gut verbringen will, hat es zu wenig mit mir zu tun.“ Und sie löst sich dann wieder aus dieser Situation. Das Ganze ist auf eine komödiantische Art und Weise erzählt.

H: Es gibt viele komische Szenen -also in diesem Beruf hat man ja den Vorteil, dass man so was schon vorher gucken darf, vor den anderen Zuschauern, um dann drüber sprechen zu können, deswegen hab ich's natürlich gesehen- es gibt viele heitere Szenen, viele nachdenkliche. Die Solveigh hat dann auch kurzfristig einen jüngeren Liebhaber, ist auch ´ne Thematik, steht jetzt auch immer wieder in der Zeitung -der Trend geht dahin- , möchte ich auch gleich noch drüber reden. Es hat aber den Eindruck, als ob sie's sind. Sie sind - Senta Berger ist Solveigh und Solveigh ist Senta Berger. Hatten Sie viel Einfluss auf die Rolle?

B: Ja, aber nicht in dem Sinne, dass ich mich spielen wollte. Ich möchte mich nie spielen, ich weiß ja auch gar nicht, wie ich bin. Aber ich denke, das was privat ist, das ist banal. Das ist so wie bei jedem von uns, und das gehört auch mir. Also, ich suche nicht mich in einer Rolle, aber ich suche schon Glaubwürdigkeit. Und das ist eigentlich im Vorfeld die Frage: „Kann ich das glaubwürdig spielen?“ Es ist viel eingeflossen an Vorschlägen von mir, aber nicht in dem Sinne: „So bin ich, und das will ich jetzt sagen, weil ich so bin“, sondern: „Ich will das sagen, denn ich glaube DIE ist so“. Und wenn ich arbeite, dann rede ich auch nie davon -man hat mich darauf aufmerksam gemacht, ich hab das gar nicht gemerkt- ich sage nie: „Ja, und soll ich dann da bei der Türe reinkommen, und mich dahinsetzen?“, sondern ich sage immer: „Und was macht sie dann? Kommt sie dann da rein, setzt sie sich da hin?“. Das hört sich jetzt so schizophren kompliziert an...

H: nee...

B: …das ist es aber nicht. Ich brauche diese Distanz zu meiner Figur, die ich spiele, um die von außen zu sehen, dann kann ich die von innen spielen.

H: Das ist Ihnen hundertprozentig gelungen!

B: Danke (lacht)

H: Der Liebhaber...ist das...ich meine, Sie sind seit 37 Jahren verheiratet...

B: Ehrlich?

H: Hab ich jetzt nachgelesen.

B: Lass mal nachdenken...nein, ich glaube nicht, ich glaube, 36 Jahre...

H: Verzeihen Sie, Sie wissen's wirklich besser.

B: (lacht) Ja.

H: ...sind sie verheiratet. Könnten Sie sich so was vorstellen, einen jüngeren Liebhaber zu haben?

B: Ja, theoretisch schon.

H: Praktisch?

B: Ja praktisch geht's ja nicht, ich hab ja einen. Also, ich meine -verstehen Sie- ich bin in festen Händen, und ganz gut aufgehoben, aber theoretisch könnt ich mir das schon vorstellen, ja.

T: Flirten Sie denn gerne mit ´nem jüngeren? Also, erwidern Sie das schon, wenn da was kommt?

B: Ja, aber das ist was ganz anderes, flirten ist doch schön, flirten gehört dazu, flirten tun auch Sie (zu Pater Anselm), ich weiß es. Ja, das ist ja auch ein spielerischer Umgang mit Menschen, das macht Spaß! Also, ich meine, man müsste jetzt vielleicht das Wort „flirten“ definieren. Es ist einfach wirklich ein witzig mit Spannung geladener Mann-Frau-Dialog, also das find ich schon ganz schön, ja.

H: Die Solveigh sagt ja irgendwann...macht Schluss mit ihm und sagt: „Ich bin zu alt“. Glauben Sie, dass das irgendwann zu dem Punkt kommt in solchen Beziehungen?

B: Ja, sehr oft. Man erwartet ja von Frauen, dass sie vernünftiger sind als die Männer, und besonders Frauen erwarten von Frauen, dass sie vernünftiger sind als die Männer. Man erwartet also von der Frau, dass sie sozusagen die Zukunft des Mannes, des jüngeren Mannes, mitplant, mitbedenkt. Denn es kommt ja von der Biologie her natürlich der Punkt, wo der sehr viel jüngere Mann vielleicht doch noch eine Familie gründen möchte, und sie ihm diese Familie nicht mehr schenken kann. Und die Gesellschaft erwartet jetzt von der Frau, dass sie sich ihrer Leidenschaft zwar schon, aber nur kurz hingibt, und sich dann von dem jüngeren Mann trennt. Umgekehrt hab ich das noch nie gehört, 65-jährige heiraten ohne weiteres 25-jährige, und niemand sagt: „Das kannst Du doch nicht machen, das ist einfach amoralisch, tu das nicht, das wird dann ´ne junge Witwe sein.“ Aber von uns Frauen verlangt man das.

T: Da muss ich jetzt ganz kurz Herrn Moik fragen, weil er so gespannt zuhört. Stellen Sie sich vor, Herr Moik -Sie sind ja auch glücklich verheiratet- aber es würde sich ein 30 Jahre jüngeres Mädl unsterblich in Sie verlieben. Hätten Sie soviel Kraft, zu sagen: „Nein, Kind, es hat keinen Sinn.“?

M: Bei mir geht's, weil ich bin im Sternzeichen ja Zwilling. Einer ist treu, aber der andere ist ein Hund ein elendiger, mein Lieber! (alle lachen)
Nein, aber ich muss eigentlich dasselbe sagen: Wenn man glücklich verheiratet ist, glaub ich, kommt das Problem eigentlich ganz, ganz selten.

B: (lacht) Ganz, ganz selten...Wie oft ist „ganz, ganz selten“?

M: Ja, ausfratscheln wird ich mich von Ihnen lassen! (lacht) Um Gottes Willen!
(alle lachen)
Aber grade in unserem Beruf lernt man ja viele Menschen kennen...

B: Aja?

M: Ja, und drum nehm ich meine Frau überall mit.

H: Ist sie heut dabei?

M: Na, heut is sie nicht dabei.

H: Ah, da schau her!
(alle lachen)

H: Frau Berger, Ihre Söhne sind ja inzwischen auch aus dem Haus. Was würden Sie denn sagen, wenn jetzt einer Ihrer Söhne mit einer Frau zusammen wäre, die -sagen wir mal- 20 Jahre älter wär? Wie kämen Sie damit klar?

B: Ich weiß es nicht. Aber ich denke, dass gerade bei jungen Männern eine ältere Frau ganz neue Gedanken pflanzt, ganz neue Aspekte des Lebens zeigt, vorlebt, ja. Also, was mir nicht so gut gefällt ist, dass sich heute die Jugend sehr stark -und auch sehr stark ermutigt wird dazu- sich fast abschottet von den älteren. Also, diese Vermischung, die es noch gegeben hat in früheren Jahren, sagen wir mal 60-er, 70-er Jahre, die ist jetzt -auch aus ganz bestimmten materialistischen Gründen würde ich sagen- in 2 Lager geteilt. Das find ich schade. Ich hab am Theater angefangen, und bin sehr früh mit erwachsenen Menschen zusammengekommen. Das hat mir sehr gut getan. Ich war trotzdem jung, war trotzdem dumm auch, und lustig, und alles was dazugehört. Trotzdem, ich hab da einfach andere Lebensgefühle kennengelernt. Also in soweit fänd ich das schon schön - ich will nur ein Schlagwort sagen: Man geht dann vielleicht nicht so oft in die Diskothek. Man geht vielleicht auch mal -was weiß ich- in den Musikverein und hört ein Konzert, weil die 20 Jahre ältere Frau in dieser Lebensphase ist, wo sie das schön findet. Man liest Bücher, die man vielleicht als junger nicht so lesen würde, also ich denke, das ist ganz schön. Natürlich würd ich auch sagen: „Hoffentlich geht das gut aus, hoffentlich tust Du ihr nicht weh, der sehr viel älteren Frau.“ Das ist schon...ich würde mich da solidarisch mit ihr fühlen, denke ich, ja.

H: Letzte Frage...

B: Warum?

H: Wir beide, die winken doch schon wieder!

B: Soll ich dann gehen?

H: Nein, bitte nicht...

T: Bloß nicht!

B: Gut.

H: ...dann sind Sie erst recht da!

B: Gut.

H: Wenn Sie Ihre Eltern, oder Ihre Mutter, wenn Sie die noch mal in ein jüngeres Alter zurückverwandeln könnten, welches Alter würden Sie nehmen?

B: Ich hätte meine Mutter sehr gerne als junge Braut kennengelernt. Und ich glaube, dass es schade ist, dass man die Eltern nur als Eltern erlebt, und dass man die ganze Vorgeschichte, die sie ja gehabt haben, dass man die sich zwar vorstellen kann, weil sie erzählen davon, aber wirklich, wie sie wirklich waren mit all ihren Träumen und Sehnsüchten und - ja, das würd ich mir wünschen. Und ich möchte auch, dass meine Kinder mich als junges Mädchen gekannt hätten, aber sie kennen mich natürlich nur so wie ich heute bin, also eben als Mutter. Und ich find das schade, da fehlt eine Dimension. Also, es ist ja nur ein Traum.

H: Ein schöner ! Danke.